Mehr Licht – oder: Die Physik überlisten

Ich werde das Thema etwas ganzheitlicher beleuchten. Dazu werde ich mich auch einiger Halbwahrheiten bedienen, die das Verständnis aber deutlich vereinfachen. Ich werde die kennzeichnen mit „(HW)“.

Fast 50 Jahre lang beherrschte die schwarz-weiß Fotografie die Szene. Viele Fotografen zogen die hohe – dem menschlichen Auge ähnliche – Empfindlichkeit des schwarz-weiß Films dem Farbfilm vor.

Die ersten digitalen Kameras hatten einen sehr kleinen Dynamikumfang. Die Weiterentwicklung und Vergrößerung der Sensoren erhöhte Jahr für Jahr den Dynamikumfang und die Abbildungsleistung. Konnte meine Nikon D90 aus 2008 mit einem schwarz-weiß Film noch nicht mithalten, ist meine Z8 mittlerweile dem schwarz-weiß Film und dem menschlichen Auge überlegen.

Was ist die Dynamik?

Die Dynamik ist die Anzahl der Helligkeitsstufen, die eine Kamera abbilden kann (HW). Um ein Beispiel zu nennen. Im einer Gegenlichtsituation sind extrem viel Helligkeitsstufen vorhanden. Z. B. 20, deine Kamera kann 12 (HW). Nun musst du entscheiden, welchen Bereich der 20 Stufen du abbilden willst. Der Rest ist dann viel zu dunkel (abgesoffen) – oder zu viel zu hell (ausgefressen).

Beispiel: es ist nicht ohne Tricks möglich, die dunklen Bereiche im Lokschuppen mit Zeichnung und gleichzeitig die Fenster mit Details abzubilden.

Die Physik lässt sich nicht betrügen. Der Dynamikumfang der Kamera gibt nicht mehr her. Er ist viel geringer, als der Dynamikumfang deines Auges (HW). Du müsstest dich also zwischen zwei Varianten entscheiden: Dunkle Bereiche mit Zeichnung ODER Fenster mit Zeichnung:

Die Physik überlisten

  • Die Grenzen der Kamera-Physik erweitern. D. h. eine Kamera mit höherem Dynamikumfang (HW). Aber auch die modernen – sehr teuren – Hochleistungssensoren können vielleicht 2-3 mehr Helligkeitsstufen, was bei bei Extremsituationen z.B. Gegenlicht auch nicht hilft.
  • Mehr Licht für die tiefen Bereiche. D.h. die Kamera belichtet so, dass die Fenster schön erkennbar bleiben, und die Gruben bekommen mehr Licht. Da gibts dann auch mehrere Methoden:
    • Aufhellblitz
    • Reflektor, du nutzt das vorhandene Licht und reflektierst (HW) das auf die Dunklen Bereich. Das würde hier nicht funktionieren, das das reflektierte Licht nur einen kleinen Bildausschnitt beleuchten kann. aber bei Portraits ist das einfach sensationell, denn es gibt ein wundervolles weiches Licht. Aber du brauchst eine 2 Person, die das auch vorher übt, sonst dauert das Reflektieren zu lange. Wichtig: Einfallswinkel = Ausfalllswinkel 😉
  • HDR – High Dynamik Range. Mehr dazu in folgendem Absatz

High Dynamik Range (HDR)

Was ist HDR (High Dynamic Range)?

HDR steht für „High Dynamic Range“ und beschreibt eine Technik, mit der Bilder Details in sehr hellen und sehr dunklen Bereichen gleichzeitig zeigen können. Während normale Bilder (SDR – Standard Dynamic Range) oft Details in extremen Lichtverhältnissen verlieren, fängt HDR ein breiteres Helligkeitsspektrum ein. Das bedeutet: Leuchtende Sonnenuntergänge, helle Wolken und schattige Bereiche wirken realistischer und lebendiger.

Warum ist HDR wichtig?

Für den Betrachter bietet HDR ein intensiveres Seherlebnis – Farben wirken satter, Kontraste stärker, und Bilder kommen der Realität näher. Wer beim Fotografieren mehr aus seinem Bild herausholen möchte, sollte sich mit HDR beschäftigen – der Effekt ist oft erstaunlich.

Wie geht das?

1. Du machst 2-5 gleiche Bilder, die sich nur in der Belichtung unterscheiden:

    • 1-2 Bilder mit unterschiedlich starker Unterbelichtung, welche die Details in den hellen Bereichen einfangen.
    • 1-2 Bilder mit unterschiedlich starker Überbelichtung, , welche die Details in den dunklen Bereichen einfangen.
    • 1 korrekt belichtet Bild.

    Achtung – wichtig

    ISO und Blende bleiben gleich, du veränderst nur die Belichtungszeit. Ansonsten würde sich auch der Schärfebereich verändern, was eine spätere Kombination unmöglich macht.

    Der Bildinhalt muss gleich bleiben, sonst wird es mit dem Kombinieren schwierig. Also nutze ein Stativ.

    Mit sich bewegenden Objekten z. B. Mensch funktioniert das nur eingeschränkt.

    2. Du kombinierst die Bilder zu einem.

    Du kannst die Bilder in deinem Bildbearbeitungsprogramme übereinanderlegen und maskierst die Bereiche aus, die keine Details mehr enthalten. Also z. B. beim unterbelichtet Bild alle dunklen Bereiche ausblenden, denn die haben keine Details mehr. Dafür enthalten die hellen Bereiche feine Details.

    Komfortabler geht das mit einer HDR Software. Da gibt es zwei Arbeitsschritte:

    1. Bilder importieren. Die Software fügt die Bilder zu einem Einzigen zusammen (HW) das die Informationen aller importierten Bilder hat. Sozusagen ein Super-Duper-HDR-Bild.
    2. Das Super-Duper-HDR-Bild kann leider kein Monitor und kein Drucker darstellen. Deshalb exportierst du daraus ein Bild, das du weiter verwenden kannst. Dabei kannst du ganz viele Einstellungen vornehmen. Und du kannst richtig abgefahrene Bilder erzeugen. Hier 3 Beispiele, die alle aus dem gleichen Super-Duper-HDR-Bild entstanden sind:

    Beispiel Sonnenaufgang

    Um einen Sonnenaufgang einzufangen habe ich 3 Bilder gemacht, indem ich die von der Kamera vorgeschlagenen Belichtung genommen habe und die Belichtungszeit dann einmal halbiert und einmal verdoppelt habe. Hier z.B. bei der Unterbelichtung bekommt die Sonne mehr Zeichnung und bei der Überbelichtung die Bäume und der Vordergrund.

    Das fertige Bild
    Ein HDR entsteht – das fertige Bild

    Was ist Pseudo-HDR?

    Du macht ein Bild in RAW – kein jpg. Daraus machst du später im RAW-Konverter verschieden belichtete Versionen. Die kombinierst du dann und maskierst alle Bereiche ohne Details manuell aus oder du nutzt eine HDR Software.

    Das funktioniert natürlich nicht so gut, wie bei den „echten“ HDR-Bildern. Da aber im RAW mehr Dynamik als im JPG vorhanden ist, kannst du durch die Methode noch Einiges aus einem Bild herausholen.

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